Atzen Club
Berlin 5, Kompromisslos Kwakkenbos 4 (1:2)
»Ein Morgen mit Tonya Harding«
(von Rik)
Schöneberg—Der Morgen des 28. Novembers 2010 war keiner, der dem Namen des Bezirks in dem das Spiel stattfand in irgendeiner Weise Ehre machte. Schöneberg war heute hässlich und flach. Semihs Statusbericht »Also circa fünf Prozent des Platzes sind vereist« stellte sich als Treppenwitz heraus. Kompromisslos Kwakkenbos befand sich um 8.45 vollzählig und nüchtern auf dem Platz. Der Gegner, Atzen, Verlierer der Relegation zum Aufstieg in Liga zwei, war zu zehnt.
Beide Mannschaften spielten ihr erstes Spiel auf Wettbewerbseis, dem der Feinschliff gefehlt hatte.
Kwakkenbos begann unnötig zurückhaltend, auf Konter lauernd. Mit einem gefühlten 3:0 Vorsprung im Kopf. Die Atzen gleichten den unwirtlichen Boden mit sicherem
Passpiel und sicheren Ballannahmen aus, was die ersten Vorstöße vor das Tor der Schwarzweißen herbei brachte. Aus dem Nichts kam dann die erste Chance für Kwakkenbos: Der Atzen-Torwart nahm einem Rückpass seines Verteidigers vollkommen selbstsicher auf. Der indirekte Freistoß kam nicht durch die Mauer. Im Gegenzug pfiff der Schiedsrichter einen Klärungsversuch, der den Arm eines Kwakkenbos-Verteidigers fand, zum Elfmeter. 0:1 für die Atzen. Klemens sprang richtig, verpasste knapp.
Nun war Kwakkenbos gefordert. Prompt lief die Angriffsmaschinerie und das Spiel verlagert sich zunehmend in die Hälfte der Atzen. Die Folge war der Ausgleich durch eine im Training am Mittwoch geübte Kombination. Thorsten legt am 16er ab auf Paul. Der zieht einfach ab und jagt die Kugel in den langen Winkel. Keine Chance für den Torwart.
Die Chancen waren diesmal da – anders als in den vergangenen Spielen. Aber Hereingaben von links und rechts fanden zunächst keinen Abnehmer in der Mitte. Die Atzen hingegen machten das 1:2. Passiert. Halbzeit.
Als dann auch noch dem letzten Kwakkenbos in der Halbzeit klar wurde, dass der heutige Gegner nur zu zehnt antrat, machten sich Kräfte frei. Stürmisch ging's in die zweite Hälfte und zügig drehten die Bosse das Spiel. 2:2 durch Polo nach zu kurzer Abwehr einer Flanke von Rik und 3:2 durch den aufmerksamen Paul, der am linken Strafraumeck in Ballbesitz kam, den Torwart weit weg vom kurzen Pfosten sah und den Ball ebenda hineinschoss.
Als die Atzen schließlich doch noch komplettiert wurden, drehte sich das Spiel abermals. Die Atzen glichen aus und besorgten anschließend sogar die Führung. Das Spiel wurde giftiger. Zweimal hätte der Schiedsrichter Tätlichkeiten der Atzen pfeifen können. Einmal fiel einem Spieler der Atzen nichts Weiteres ein, als nach einem Foul mit losem Eis in Richtung Pauls Gesicht zu schmeißen, ein anderes Mal wegen Nachtretens. Eines war also klar: die Atzen können heute nicht verlieren. Die Pfeife war heute schwer wie ein Amboss und kam selten zum Einsatz. Es war ja auch noch so früh.
Uli, der an diesem Morgen sehenswerte Standards Richtung gegnerisches Tor schlug, belohnte seine Arbeit und staubte nach einer Standardsituation trocken zum 4:4 ab.
Doch dieser Morgen wäre kein »Morgen mit Tonya Harding« geworden, wäre es hierbei geblieben. Passend zum Wochentag wuchtete ein Spieler der Atzen aus unmöglicher halbrechter Position einen Sonntagsschuss zum 4:5 Endstand in Klemens' Netz und kürte dieses gebrauchte Slapstickspiel in Schöneberg zur Eisprinzessin der Spiele.
Kwakkenbos kam zwar noch zwei Mal an den 16er der Atzen heran, mehr wollte aber nicht passieren. Unterm Strich ließ Schwarzweiß zu viele Chancen zu, die bereits im Mittelfeld ihren Ursprung nahmen. Die eigenen Chancen waren diesmal da, genutzt wurden sie sogar auch. Selten, außer vielleicht in der TU-Liga, reichen vier Tore nicht einmal zum Unentschieden. Heute Morgen, war so ein Morgen.
Ach ja: Tonya Harding wurde berühmt, als sie 1991 als zweite Eiskunstläuferin überhaupt den Dreifachaxel im Wettbewerb stand. Ihr weiterer Lebensweg ist gezeichnet von Schicksalsschlägen (im Wahrsten Sinne des Wortes), die sie größtenteils selbst verschuldete.
1994 beauftragte ihr Mann einen Attentäter, der ihre unmittelbare Kontrahentin Nancy Kerrigan mit einer Eisenstange wettbewerbsunfähig schlug. Tonya Harding wurde daraufhin US-Meisterin. Der Titel wurde ihr nachher aberkannt und sie lebenslang gesperrt.
Ihre Ehe wurde geschieden, nachdem ihr Mann ein mit ihr in der Hochzeitsnacht gedrehtes Sexvideo gegen Geld veröffentlichte.
Nach einem kurzen Ausflug ins Eishockey ist Tonya Harding nun seit 2002 Profiboxerin und Wrestlerin.
Es tanzten: Klemens – Tobi, Iván, Lasse, Nils, Semih – Paul (2), Rik, David, Britta, Pablo, Polo (1) – Thorsten, Jörg, Uli (1)
Tore: 1:1 Paul (Thorsten), 2:2 Polo (Rik), 3:2 Paul (Uli), 4:4 Uli (Polo?)
Eisprinz des Tages: Paul
Linkempfehlung: http://de.wikipedia.org/wiki/Tonya_Harding
Nachtrag Semih: die 5 Prozent Vereisung bezogen sich auf die Luftfeuchtigkeit
auf dem Platz! ;-)
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