KK - Avys 1:3 (1:2)

Alt, dumm und häßlich

Kwakkenbos verliert mal wieder das Derby gegen Avys - von Tobi


Es war Derbystimmung am Kühlen Weg. Während auf dem großen Platz die Tennis Borussia mit einer Mannschaft, die vor allem aus jungen Migranten besteht, einen überzeugenden Sieg einfuhr, fand sich die Mannschaft von Kompromisslos Kwakkenbos an einem schönen Herbsttag zusammen, um mal wieder eines jener heißen Derbys gegen die dynamischen Vietnamesen von Avys FC auszufechten. Mal wieder – so wie früher. Doch heute fahren die glorreichen Helden alter Tage in Ihren Opel Kombis vor, quälen sich mit quietschenden Knochen aus dem Sitz – und legen die Behindertenplakette als Parkschein hinter die Windschutzscheibe. Gerade einmal 14 alte Recken mit schütterem Haar fanden sich so zusammen, um sich erstmal ordentlich warm zu machen. Ein Schnaps, eine Zigarette – nochmal ein bißchen abhusten, dann konnte es losgehen. Schon nach dem „Oooooooh Kwakkenbos“ bekamen einige kaum noch Luft und hätten sich gerne ausgewechselt – aber auf der Ersatzbank waren auch nur Invaliden zu finden, die sich zu Spielbeginn erstmal damit befassten, das mittlerweile in die Tage gekommene Dialyse-Gerät und den Defilibrator zum Laufen zu kriegen - für den Fall der Fälle.

Der trat allerdings zunächst gar nicht ein. Kwakkenbos spielte zu Beginn der Partie abgeklärt und souverän, die Zweikämpfe wurden angenommen und gewonnen – so wie man es sich gegen den Gegner in diesem Derby vorgenommen hatte. Die Bälle wurden ordentlich von hinten heraus verteilt, und vor dem Tor ergaben sich gegen eine bei weitem nicht sattelfeste Abwehr von Avys erste Chancen, die jedoch ungenutzt blieben. Nach einem langen Abschlag von Clemens, der hoch in den Himmel stieg und dann genau in der gefährlichen Zone zwischen den beiden Innenverteidigern steil herunterfiel, konnte Avys den Ball nicht wegbringen, den Jörg mit beherztem Einsatz eroberte und nach dem ersten Aufprallen per Kopf zum 1:0 verwertete. Kwakkenbos hatte nun Rückenwind – aber scheinbar so viel, dass einige der alten Herren nach vorne umzufallen drohten. So passierte es auch Rob kurz nach dem Treffer, als er nach einem harmlosen Zweikampf schmerzverzerrt auf dem Boden lag und sich das Knie hielt. Als spielintelligenter Antreiber im Mittelfeld und prämierte Pferdelunge ein schwer zu verkraftender Verlust. 

Kurz nachdem Rob das Spiel verlassen musste, begannen sich große Löcher im defensiven Mittelfeld aufzutun, die Avys mit ein, zwei guten Spielern zu nutzen wussten und sich in der Folge Chancen erspielten. Nachdem einer der Vietnamesen sich auf der Außenbahn durchgesetzt hatte und flanken konnte, war es wie so oft in diesem Derby: Wie an den Boden getackert blieben die kompromisslosen Abwehrspieler stehen, und so konnte ein Avys-Spieler problemlos per Kopf den Ausgleich erzielen. Und wie so oft in der Vergangenheit erholte sich Kwakkenbos von diesem kleinen, eigentlich unbedeutenden Nackenschlag nicht, sondern wurde nervös und büßte schlagartig alle Souveränität ein. Auch wenn in der Folgezeit noch in der Kombination von unpräzisem Passspiel im Angriff und Indisponiertheit der gegnerischen Abwehr die ein oder andere kleinere Chance für Kwakkenbos entstand, so nutzte Avys konsequent im Gegenzug auch die zweite große Chance mit einem gelungenen Kopfball noch vor der Pause. Theoretisch wäre danach immer noch alles möglich gewesen in dieser Partie, wie sich die Kwakkenbosler in der Pause beteuerten – aber die alten, schwachen Körper machten nicht mehr mit. Die Zweikampfbilanz wurde mit zunehmendem Spiel schlechter, die Quote erfolgreicher Pässe ebenso. Und so sahen viele Kwakkenbosler im Gegensatz zu dem jung, intelligent und attraktiv aufspielenden Gegner wieder einmal, wie man selber sich präsentiert: Alt, dumm und häßlich. Ab und an mal ein brasilianischer Versuch, ab und an mal ein Eisenfuß in der Abwehr – mehr Aufbäumen war nicht zu spüren. Der ein oder andere Auswechselspieler hätte in dieser Zeit noch gut getan – doch leider war niemand mehr in Sicht, nachdem sich auch Jörg zur Mitte der zweiten Halbzeit mit einer Zerrung im Halsbereich auswechseln musste und sich nicht mehr bewegen konnte. Toddy spielte daraufhin mit einem Bein noch ganz munter mit. Verhindern konnte auch er jedoch nicht, dass Avys noch fröhlich per Kopf zum 3:1 erhöhen konnte und nun souverän und siegesgewiss die letzten Minuten herunter spielte.

Mit gesenktem Haupt gingen die Kwakkenbosler dann wieder vom Platz und so bleibt nur zu hoffen, dass der ein oder andere aufgrund seiner Demenz oder im nächsten Vollrausch die Ereignisse schon wieder vergessen hat und sich zum nächsten Spiel wieder wie ein vollwertiger Fussballer vorkommen kann. Spieler des Tages wurde Tobi – wohl nur aufgrund der Tatsache, dass er die meisten der Gegner so kompromisslos über die Klinge springen ließ, wie es sich für ein Derby gehört. Rob fällt nun bis Ende des Jahres aus und so sind alle Leistungsträger dieser untalentierten und hoffnungslosen Mannschaft gefragt, einzuspringen. Bier trinken klappt aber immer noch, wie sich im Abschluss an das Spiel raus stellte – und so muss ein schlechter Auftritt gegen Avys auch keine allzu großen Sorgen machen in einer Welt, in der es Pflegeversicherungen gibt, die unerschütterliche Kraft von Männerfreundschaften und den Frieden des Bieres. Vielleicht haben wir ja in ein paar Jahren vietnamesische Zivis, die für uns spielen. Prost!

Tor: Klemens
Abwehr: Robert, Nils, Tobi, Toddy
Mittelfeld: Rob, Niklas, Marcel, Semih, Mathieu
Sturm: Thorsten, Jörg, Dilma Roussef

Tor: Jörg
Tor-Assist: Klemens
Spieler des Tages: Tobi