FC Kreuzberg 2, Kompromisslos Kwakkenbos 1 (1:0)

Kwakkenbos scheitert an seiner Pillephilie aka Spielbericht FCX – KK


Spielort: Südstern

[ Pillephilie: Die Liebe zum Fußball. Der an Pillephilie erkrankte Spieler kann, obwohl er den Ball vor seinen Füßen hat, diesen nicht mit der Kraft seines Beines befördern. Ursächlich hierfür ist eine zu große Liebe zum Spielgerät und die Angst, das Spielgerät zu verletzen. Zusammengesetzt aus den Wörtern Pille [umgangssprachlich für das im Fußball verwendete Spielgerät] und -phil [griechisch für liebend] ]

Seit langer Zeit mal wieder Derbyzeit am alten Luisenstädtischen Friedhof. Was früher noch ein Freundschaftskick auf dem altehrwürdigen Wilmersdorfer Stadtpark war ist heute auch ein Kampf zwischen den Klassen geworden. Hier die linken Altpunks vom FC Kreuzberg, die allerdings mit einer runderneuerten und sehr verjüngten Mannschaft antreten, dort die kompromisslosen Gentrifizierer aus Kreuzkölln, deren neue Heimat nun mitten im hippen Stadtteil von Kreuzberg liegt.

Schon vor dem Anpfiff wird klar, dass bei Kwakkenbos die Nerven nach der ersten Saisonniederlage blank liegen. Sowohl der bei Gegnern und Schiedsrichtern gefürchtete Kapitän als auch der Trainer waren vor dem Spiel von Nero Rik außer Gefecht gesetzt geworden und somit oblag es dem neuen Kaiser Rik I., der sowohl das Traineramt als auch das des Kapitäns inne nahm, die Mannschaftsaufstellung zu präsentieren. Auch sonst wurde nichts dem Zufall überlassen. Zuverlässig hatte die Kwakkenbos'sche Wettmafia um Sasse L. (Name geändert) wieder mal ihre Finger im Spiel und so wurde als Schiedsrichter Hamid angesetzt, um das Spiel in die richtige Richtung zu lenken.

Noch vor der ersten Spielminute holt Kwakkenbos die ersten Punkte. Der an „Schottern 2010“ ausgeliehene Topscorer Jörg schießt im Auswärtsspiel in Gorleben das entscheidende 1:0 gegen die Bullen vom Castortransport.

Doch nun zum Spielverlauf:
Angesichts der hohen Bestechungszahlung verwundert es nicht, dass die Kompromisslosen das Spiel um den Anpfiff gewinnen. Die ersten Angriffsversuche der Schwarzen verpuffen, aber Kwakkenbos steht hinten sehr gut und lässt kaum Chancen zu. Allerdings fehlt vorne noch die nötige Durchschlagskraft und so bleibt es bei ein paar Fernschüsschen, die ihr Ziel aber deutlich verfehlen. Das Spiel plätschert vor sich hin. „Geht so nich“ dachte sich der gerade frisch aus der Opiumhölle eingewechselte Abwehrrecke (Name dem Redakteur bekannt) und brachte etwas Pfeffer ins bis dahin recht ungewürzte Spiel. Den Ball vor seinen Füßen liegend brachte es der Pillephile nicht über das Herz, das Spielgerät in den nahegelegenen Friedhof zu buchsieren und so brachte der daraus resultierende erste Angriff der Xberger das 1:0.

Ernüchterung macht sich in den Reihen breit, führte doch selbiger Spielverlauf vergangene Woche zum desaströsen Niedergang gegen die Avisten. Doch diesmal bricht Kwakkenbos nicht zusammen wie David Hasselhoff nach seinen Alkoholexzessen, sondern spielt ruhig und gelassen seinen Stiefel runter wie Jimmy Page die Akkorde zu Stairway to Heaven. Chancen um Chancen werden herausgespielt, doch bis auf Semihs sehenswerten Pfostenschuss kurz vor der Halbzeit bleibt es beim etwas unverdienten 0:1 aus Sicht der Gentrifizierer.

Doch schon zu Beginn der zweiten Halbzeit zeigen die Kwakkenbossler, wem der Stadtteil gehört. Angeführt vom 150-qm² Wohnungsbesitzer am Hermannplatz und Sturmführer beginnt Kwakkenbos mit sehr viel Pressing und zwingt die Kreuzberger zu einigen Fehlern. Gerade über außen erspielen sich die Kwakkenossen viele Chancen, die aber entweder an der Unfähigkeit, der Größe der Stürmer oder am gut aufgelegten gegnerischen Torwart zu Nichte gemacht werden. Das Schicksal meint es in den Geschichten, Balladen und Gedichten meist gut mit den guten und aufrichtigen Menschen. Und da dies ja eindeutig die Linksradikalen Kreuzberger sind, hat sich der Liebe Gott gedacht, „mmmh gut, schenk ich den Kreuzbergern mal einen Konter, damit die das 2:0 machen“. Haste aber die Rechnung ohne den Sensemann (Marcel) gemacht, seniler Idiot. Der Sensemann senst und der gegnerische Stürmer fällt. Klare Sache – Kein Elfmeter (siehe oben erwähnte Zahlung L. an H.). Aber, Satz mit „enkste“: Denkste. Der Herr Schiedsrichter will sich nicht an die Zahlung erinnern und pfeifft Elfmeter. Ein Ass haben wir aber noch im Ärmel. Klemens, der 10-Jahre in Stammheim wegen Elfmetertötens (platt genug?) abgesessen hat hält auch diesen Elfmeter, verrechnet sich aber bei der potentiellen Energie seines Körpers (E=m*g*h) und kann den parierten Ball nicht aufnehmen. So landet dieser beim gegnerischen Stürmer und dieser verwandelt eiskalt. ZweiNull, Gott hüpft im Dreieck. Aber Kwakkenbos wäre nicht durch und durch atheistisch, wenn sie nicht doch noch versuchen würden, Gott zu ärgern. Eine weite Flanke von rechts fliegt in den Strafraum, die Nummer 25 steigt hoch. Er setzt zum Fallrückzieher an. Die Welt hört für eine kurze Zeit auf, sich zu drehen. Alle Blicke dieser Welt richten sich in diesem Moment auf das mit einem Umfang von 68cm und mit einem Druck von 1,0 bar gefüllte Spielgerät und den rechten Fuß des 28-jährigen Stürmertalents. „Den Ball im Winkel versenkt hätte jeder Amateurspieler, aber den Ball aber absichtlich nicht richtig treffen, das können nur große Spieler“ meint Magic-25 nach dem Spiel. Das Spielgerät landet beim Pillephobier Semih, der den Ball MIT LINKS!OHNE NACHZUDENKEN!AM TORWART VORBEI! ins Tor befördert.

Zwei-Eins. Noch ein paar Minuten zu spielen. Hamid erwacht aus seiner kurzzeitigen Demenz und erinnert sich wieder an die Zahlungen der Wettmafia. Es werden die längsten Zwei Minuten der Fußballgeschichte werden. Zeitzeugen sprechen von einer Spielzeit von 52 Minuten in der zweiten Halbzeit.
Freistoß um Freistoß segelt in den 16er der Kreuzberger und plötzlich ist der bestangezogenste Spieler seit Georgie Best frei vorm Tor. Nur er und der Ball. Und der Ball. Und er.
Das Zwei Zwei auf dem Fuß. Gorleben im Kopf. Und dann schlägt sie wieder zu. Diese gottverdammte Pillephilie.

Es spielten:

Tor: Klemens
Abwehr: Ivan, Marcel, Tobi, Ulrich
Mittelfeld: Rik, Nils, Niklas, Polo, Dennis, Pablo
Sturm: Mathieu, Uli, Semih (1)

Spieler des Tages: Dennis


Zuschauer: Anja mit Paul, Freddy